ZUHAUSPIELHAUS

Liebes Publikum

Am Freitag, den 13. März, mussten wir bis auf weiteres alle Vorstellungen absagen. Seither ist das Schauspielhaus geschlossen, wir sind zuhause. Und sammeln uns.

Die Künstler*innen, vor allem die Hausregisseur*innen Leonie Böhm, Alexander Giesche, Suna Gürler, Trajal Harrell, Yana Ross, Christopher Rüping, Wu Tsang und Co-Intendant Nicolas Stemann, aber auch die Kolleg*innen der Kommunikations- und Dramaturgieabteilung hatten das Bedürfnis, erst einmal eine Sendepause einzulegen. Nicht nur, weil auch sie und alle Mitarbeitenden des Hauses sich zunächst in der neuen Lebenssituation zurechtfinden, familiäre Angelegenheiten sortieren, schlicht: verarbeiten mussten, was da über alle hineingebrochen war. Nein, auch weil unmittelbar ein medialer Overload einsetzte, der ihnen verdächtig vorkam. Klar ist, auch der Socialmedia-Post und der Podcast will gestaltet sein. Und Hand aufs Herz: unser Medium wird immer die reale Bühne bleiben. Uns geht es um Begegnung without any distance. Und wir können es kaum erwarten, endlich wieder spielen zu dürfen.

Das Theater der Ko-Präsenz und des Livemoments lässt sich nicht so einfach in den digitalen Raum übersetzen. Das kann und wird nicht funktionieren – natürlich aber werden ganz andere Dinge entstehen! Auch deshalb haben wir uns Zeit genommen, uns in diesen ständig wechselnden Bedingungen neu zu orientieren und alternative Formate gemeinschaftlicher (Kultur-)Erlebnisse für diese neuen Bedingungen, vielleicht sogar für Livestreaming zu erfinden. Spielerisch und nach und nach treten wir mit einem kleinen Programm mit Ihnen wieder in Kontakt. Wir probieren jetzt Dinge aus. Und schauen, was passiert:

Nicolas Stemann schreibt, komponiert und inszeniert die Corona Passionsspiele zusammen mit dem Ensemble, das Helmi, dem Musiker Burkhard Niggemeier und Videooperatorin Emma Lou Herrmann; die Passionsspiele entstehen als ein Work in Progress und werden in Videoclip-Folgen veröffentlicht werden. Unser Newsletter wird neu von Autor*innen mitgestaltet, die sich literarisch, politisch oder theoretisch mit dem Ausnahmezustand auseinandersetzen. Sibylle Berg schreibt ab nächster Woche jeden Tag eine ganz und gar analoge Postkarte an Menschen, die wir auswählen. Geplant sind ausserdem Quarantäne-Discos mit Playlists von unseren inhouse DJs, Seuchentalks zur Generierung spekulativen Wissens für eine andere Zukunft und vieles mehr. Ganz unterschiedliche Stimmen und Formate bekommen in unserem Onlinejournal Raum, zu erzählen, was das Schauspielhaus in Zeiten der Quarantäne bewegt. Was bedeutet dieser Ausnahmestand als literarisches, politisches oder theoretisches Gedankenexperiment? Und was passiert eigentlich im leeren Pfauen?

Ihnen fällt die Decke auf den Kopf? Jeweils mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr bieten Mitarbeiter*innen und Ensemblemitglieder aus allen Abteilungen des Hauses eine Sprechstunde an für alle, die Lust auf ein Blind Talk haben (044 258 72 72 oder sprechstunde@schauspielhaus.ch).

Und das Wichtigste: Bleiben Sie gesund.

Und eines noch: Lesvos Solidarity.

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