Wie viel wollen Sie für Theater bezahlen?

Das Schauspielhaus sei zu teuer, so der Grundtenor. Kann sein, dachte die neue Intendanz und hat alle bestehenden Preisstrukturen hinterfragt. Preise wurden gesenkt (auch für Premieren und in der ersten Kategorie), ausserdem kann seit dem Sommer JEDE Vorstellung für CHF 20.- / 10.- besucht werden. Und einmal im Monat entscheidet jede*r Besucher*in selbst, wie viel das Ticket kostet bzw. welcher Preis für welchen Platz angemessen scheint. Ohne Haken. 1 oder 100 Franken. Jede*r zahlt, was er/sie kann und will.

In den letzten Tagen haben wir Menschen genau mit der Frage konfrontiert. Ihr entscheidet, was soll Theater kosten?

«Ich zahle CHF 80.- fürs Theater», sagt uns eine Passantin.

Eine Touristin aus Schweden würde CHF 25.- zahlen.

«10 Franken wären schön», meint ein Rentner.

Eine andere Passantin betont, es sei wichtig, für Theater zu bezahlen, denn es seien immer viele Menschen beteiligt. Stimmt. Wenn sie bestimmen könnte, würde sie 42,27 bezahlen, meint sie mit Augenzwinkern.

Das sei für ihn keine zusätzliche Motivation, dass er zahlen könne, was er wolle, meint ein Passant, der uns auch nicht sagen konnte, was er zahlen würde, wenn er den Preis selber bestimmen könnte: «Ich habe dazu nichts zu sagen, denn wenn ich ins Theater gehe, interessiert mich das Stück und dann interessieren mich die Kosten tatsächlich nicht. Dann will ich einfach einen guten Platz in der besten Kategorie.»

Bei Student*innen ist der Trend zwischen CHF 15 bis 25. «Soviel wie Kino», hören wir oft.

Eine Passantin würde CHF 100.- zahlen für Theater. «Ich war noch nie im Theater, aber wenn mir die Vorstellung gefällt, würde ich soviel zahlen.»

«Ich finde, man sollte immer das bezahlen, was man möchte. Oder was man kann. Weil Leute, die mehr verdienen, können auch mehr bezahlen. Aber Kunst sollte immer allen zugänglich sein.»

Das sehen auch wir so: «Es ist wichtig, dass das Theater sich an die ganze Stadt wendet. Und das hat auch etwas mit den Preisen zu tun. Niemand soll sagen können: das Schauspielhaus ist zu teuer. Subventionen zu bekommen heisst, auch dafür zu sorgen», so Intendant Benjamin von Blomberg.

Einmal im Monat heisst es neu: Zahlen, was man will. Zum ersten Mal entscheidet jede*r Besucher*in am 15. Oktober für die Vorstellung von Miranda Julys Der erste fiese Typ, was das Ticket kosten soll. Und dann wieder am 20. November für die Vorstellung von Orest in Mossul.