Samstag, 7.00 Uhr im Hardaupark

Die Autorin und Moderatorin Nora Zukker besucht Das Internet an allen vier Standorten und beschreibt fürs Onlinejournal ihre Eindrücke.

7:00 Uhr: Im Hardaupark hängt der Nebel in der übergrossen Steinschleuder. Menschen machen Hunde und Cobras auf Yogamatten. Es ist das neue Kollektiv vom Schauspielhaus Zürich. Während meine Knie neben den Ohren liegen, stelle ich mir vor, wie das jetzt auf einem Instagram Bild aussehen könnte. Oh, jetzt Sonnengruss! Mein Handy verhält sich für einen Samstagmorgen angemessen ruhig. Ich muss jetzt nicht unmittelbar teilen, dass ich gerade die Kriegerin gebe.

8:30 Uhr: Alexander Giesche sagt mir, der Nebel in seiner Installation sei ungefährlich. Und schon stehe ich schutzlos und überfordert im «Internet». Ich habe mich noch nie derart vor dem Internet gefürchtet. Und selten war die Anziehung so stark. Für die totale Orientierungslosigkeit braucht es nicht viel – eine Nebelmaschine, farbige Wände, in denen das Sonnenlicht spielt und Stimmen, die aus Boxen zu mir sprechen. Wer denkt: Und das ist jetzt Theater? Das vermeintlich Niederschwellige, das Zufällige, was der Raum-Licht-Installation vielleicht anmutet, trifft uns dort, wo wir auf uns selbst zurückgeworfen werden. Den anderen Menschen, die durch den Nebel irren, will man nicht zu nahe kommen. Innerlich geht man seinen Instagram-Feed durch und denkt, aber der Welt wollte ich erzählen, dass ich gerade eine Buddha-Bowl esse? Die Wirkung vom «Internet» ganz eindrücklich: Wo bin ich aufgehoben? Wo findet echte Begegnung statt? Wonach sehne ich mich wirklich?

Die Sonnenlichtinstallation Das Internet steht nächstes Wochenende am Stauffacher, am 6. und 7. September in der Europallee und vom 11. bis 15. September zum Eröffnungsfestival auf dem Schiffbauplatz.