Julia / What if they went to Moscow? /
The Walking Forest

Nach: August Strindberg, Anton Tschechow & William Shakespeare
Inszenierung: Christiane Jatahy

Die brasilianische Regisseurin Christiane Jatahy ist eine Grenzgängerin zwischen Theater und Film. In den drei Arbeiten, die das Schauspielhaus Zürich zum Start einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit der Künstlerin als Trilogie zeigt, entstehen Bühnenhandlung und gefilmte Live-Bilder parallel, verflechten sich untrennbar miteinander und vervollständigen sich gegenseitig. Nicht nur die Spieler*innen, auch die Zuschauer*innen bewegen sich in zwei Realitäten: in einer wirklichen, die sie beim Arbeiten oder Zuschauen zeigt, und einer fiktionalen, in der alle gemeinsam zum Theaterereignis werden. Die Basis dieser Arbeiten besteht aus kanonischen Texten, die Jatahy für die Gegenwart lesbar macht: Julia ist eine ins heutige Brasilien versetzte Adaption von August Strindbergs Stück Fräulein Julie, What if they went to Moscow? basiert auf Anton Tschechows Drei Schwestern und The Walking Forest auf Shakespeares Drama Macbeth. Verbindendes Element aller drei Teile ist die Schauspielerin Julia Bernat, die vom intimen Familiensetting in Julia in die breite politische Öffentlichkeit von The Walking Forest führt und dabei mit ihren Kolleg*innen und dem Publikum Fragen von Wohlstand und Klasse, Geschlecht und race, Macht und Unterdrückung verhandelt, bis sie schliesslich in ihrem letzten Monolog die Frage stellt, mit denen schon die ersten beiden Stücke enden: «Was können wir tun, damit sich wirklich etwas ändert?»

In Zürich ist Christiane Jatahy keine Unbekannte, Julia und What if they went to Moscow? waren schon hier beim Theaterspektakel unter der Leitung von Sandro Lunin zu Gast. Christiane Jatahy aber war es ein Wunsch, zu Beginn ihrer zunächst auf drei Jahre angelegten Verbindung mit dem Schauspielhaus Zürich auch diese Stücke noch einmal zu zeigen, dieses Mal aber im Kontext der gesamten Trilogie. Das verbindende Element, das diese drei Stücke am Schauspielhaus darüber hinaus neu kontextualisiert, ist der besondere Fokus auf Jatahys Herkunftsland Brasilien, wo radikale Umwälzungen in der politischen Landschaft gipfelnd in der Wahl des rechtskonservativen Jair Bolsonaro zum Präsidenten 2018 die Frage nach den Möglichkeiten von Zusammenleben neu und schmerzhaft stellen.

Christiane Jatahy ist neben dem Schauspielhaus Zürich auch assoziiert mit dem Odéon Théâtre de l’Europe, dem Centquatre-Paris und dem Théâtre National Wallonie-Bruxelles.

 

  • Schauspielhaus-Premiere: Mai 2020, Schiffbau-Box
  • In portugiesischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln.

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