Mein Jahr der Ruhe und Entspannung

Nach dem Roman von Ottessa Moshfegh
Inszenierung: Yana Ross

Eine junge Frau beschliesst in einem heissen New Yorker Sommer, für ein Jahr Winterschlaf zu halten. Sie hat vorgesorgt: Von ihrem Job in einer hippen Galerie ist sie freigestellt, die Miete ihres Lofts ist im Voraus beglichen und ihre Therapeutin ist selbst hysterisch genug, ihr Schlafmittel à discretion zu verschreiben. Doch dann verselbständigt sich ihr Umfeld: In der Wohnung stapeln sich Essensreste, Einkäufe und Spuren von einem Leben draussen, ohne dass sich bei der namenlosen Protagonistin eine Erinnerung einstellt. Offenbar holt sie sich immer wieder Injektionen von Wirklichkeit, die den Nebel des Schlafs mit Momenten glasklaren Bewusstseins durchkreuzen. 
Ottessa Moshfegh gilt als Shooting Star der amerikanischen Literaturszene. In der laut Neue Zürcher Zeitung «klarsichtigen Gesellschaftsanalyse» Mein Jahr der Ruhe und Entspannung zeichnet sie das Porträt einer jeunesse fatiguée, die sich fürs Durch- statt fürs Ausbrennen entscheidet. Ihr Roman ist gleichzeitig irritierendes Manifest für den Ausstieg aus der Leistungsgesellschaft und schlafwandlerische Ballade über das Verdrängen und Verdämmern. In der Uraufführung untersucht Yana Ross diesen Zustand zwischen Sedierung und Sehnsucht und fragt, wo im Rückzug politisches Potential liegt. Was passiert, wenn der Protest nicht von den Benachteiligten, sondern von den Privilegierten ausgeht? Und können wir uns nur verweigern, wenn wir es uns leisten können?

 

  • Uraufführung: 30. April 2020, Pfauen