Triage – an interview series by Yana Ross and Ensemble

In Zeiten der Theater-Lähmung wendet sich Yana Ross, Hausregisseurin am Schauspielhaus Zürich, schwierigen inhaltlichen Fragen zu: die Behandlung von Covid-19 und der Frage nach der Triage, d.h. der Priorisierung von Patient*innen nach Schweregrad, im internationalen Vergleich. Nach welchen ethischen Richtlinien und Verfahren wird die Priorisierung medizinischer Hilfe bei einer besonders hohen Anzahl von Patient*innen und nicht genügend Ressourcen umgesetzt?

Die Serie von Forschungsinterviews ist eine Suche nach Antworten inmitten dieser Pandemie. Um eine solche Erfahrung zu verstehen, erprobt Yana Ross ein soziales Experiment: Schauspieler*innen aus unterschiedlichen Ländern sprechen mit Ärzt*innen, Philosoph*innen und Politiker*innen über ethische Entscheidungen und die Auswirkungen der Krise.


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«Bevor wir darüber nachdenken, wie sich unsere Gesellschaft verändern wird, sollten wir meiner Meinung nach den Wandel in einer Gesellschaft planen, in der eugenisches Gedankengut grassiert und Rassismus sowie Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen rechtfertigt.» Yasuhiko Funago (Member of the House of Councillors Parliamentary Office)

Korrekturen:

1 Dr. Nakajima bestätigte im Gespräch über die Luftzirkulation in Flugzeugen, dass auch Luft von aussen zirkuliert und nicht nur die Luft in der Kabine rezirkuliert.

2. «Japanische Gesellschaft für Palliativmedizin» ist der korrekte Name für die hier erwähnte Gesundheitsorganisation.

Mit Dr. Takashi Nakajima (Director of Niigata National Hospital), Yasuhiko Funago (Member of the House of Councillors Parliamentary Office) und Sachiko Hara, Schauspielerin


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«In Frankreich gibt es eine hässliche Wiederauferstehung des Eugenik-Diskurses... Wenn man bei den alten Menschen anfängt, geht man weiter zu den körperlich oder geistig Behinderten und dann kann man die Zigeuner, Juden oder Muslime hinzufügen. Das ist das Gefährliche daran. Man fängt mit kleinen Phrasen an, die sich als Verteidigung der Jungen darstellen, die gerettet werden müssen, weil die Alten schon gelebt haben... Sie wissen, wie das enden kann...» Dominique Vidal (Journalist, Historiker)

Mit Dominique Vidal (Journalist, Historiker), Dr. Pierre Jacques Raybaud (General physician/ family doctor), Eric Fourneret (Philosopher, researcher at Braintech Laboratory, Inserm U1205, Grenoble Alpes University (UGA)) und Perle Palombe, Schauspielerin


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«Wir können nicht in die Zukunft schauen, aber wir können aus der Geschichte lernen: Viele von uns, die Mehrheit, denken, dass die Sklaverei falsch war, und wir sagen: 'Wie konnten die vor 100 Jahren andere versklaven und benutzen, vergewaltigen, töten, sie zwingen, umsonst zu arbeiten'; in 100 Jahren werden die Menschen auf uns zurückblicken und fragen und denken: 'Wie konnten die Migrant*innen und Flüchtlinge so behandeln, wie konnten sie Menschen im Mittelmeer ertrinken, sie im Lager Moria auf Lesbos sterben lassen. Wie konnte es passieren, dass so viel mehr dunkelhäutige Menschen sterben in den USA? Sie werden auf uns zurückblicken und uns auf diese Weise beurteilen. Diese Frage ist entscheidend: 'Wie konnten wir das tun? Und es liegt immer noch in unserer Hand, dies zu ändern.» Shahram Khosravi (Professor of Anthropology, University of Stockholm)

Mit Shahram Khosravi (Professor of Anthropology, University of Stockholm), Johan Styrud (Chief Physician, Danderyds Hospital Chairman of the Stockholm Medical Association), Aylin Fazelian (Member of the Swedish Parlament, Social Democratic Party) und Mattias Nordkvist (Schauspieler)


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«Diese ethischen Diskussionen über Triage beginnen aufzukeimen, sobald wir über die erste Aufregung der medizinischen Versorgung hinweg sind. Es wird zu psychologischen Gegenreaktionen kommen, von vielen, die damit konfrontiert waren. Dann wird es an der Zeit sein, zu fragen: Wie haben wir reagiert. Wie kamen wir dazu, diese Triade-Entscheidungen zu akzeptieren? Dann werden wir in der Lage sein, unsere Richtlinien zu bereichern. Nicht nur mit ethischen oder medizinischen Vorstellungen verbunden mit Prognosen, sondern mit ein wenig menschlicher, psychologischer Erfahrung. Und ich hoffe, dass wir sie nicht anwenden müssen.» (Dr. Prof. Thierry Fumeaux, Präsident, Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI))

Mit Dr. Prof. Thierry Fumeaux (Präsident, Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI)), Markus Schefer (Professor Of Constitutional Law, University of Basel), Jean-Daniel Strub (Ethix – Lab For Innovation Ethics, Co-Founder) und Michael Neuenschwander (Schauspieler)


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«Eine postmoderne Auffassung, die an Foucault erinnert: 'Oh, es gibt mehr Überwachung, oh diese Massnahmen werden dauerhaft werden...' Ich halte das für stark übertrieben. Wir haben es mit einer spezifischen Pandemie zu tun, die sich durch soziale Kontakte ausbreitet, und die meisten Regierungen machen ihre Arbeit meiner Meinung nach gut. Nehmen wir Litauen: Die Massnahmen sind alle vernünftig. Sollten diese vorübergehenden Veränderungen noch immer in Kraft sein, wenn die Pandemie vorbei ist, dann müssen wir auf die Strasse gehen, wenn unsere Freiheiten eingeschränkt bleiben, dann werden wir dafür kämpfen, sie zurückzubekommen.» (Andrius Bielskis, Professor für Politische Philosophie, MRU)

Mit Tomas Jovaisa (President of the Lithuanian Society fo Anaesthesiology and Intensive Care and Divisional Director, BHR University Hospitals NHS, Intensive Care, UK), Andrius Bielskis (Professor of Political Philosophy, MRU), Tomas Tomilinas (Member of the Lithuanian Parliament, Vice-chairman, Lithuanian Peasants and Greens Union Party) und Denisas Kolomyckis (Schauspieler)


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«Im Moment sind wir wie Kühe oder Schafe: Jemand ist aufgestanden und hat sich in Bewegung gesetzt und der Rest folgt einfach. Wir wissen nichts, wir haben noch keine Antworten. Wir folgen einfach dem*derjenigen, der*die die Reise begonnen hat.» Helga Vala Helgadottir (Mitglied des Parlaments, Vorsitzende des Wohlfahrtsausschusses)

Mit Ragnar Freyr Ingvarsson (Lead Physician for COVID outpatient response team in Iceland), Helga Vala Helgadottir (Member of parliament for the opposition party Social democrats in Iceland, Chairperson of the Welfare Committee), Sigridur Thorgeirsdottir (Professor of Philopsophy, University of Iceland) und Gudrun S. Gisladottir (Schauspielerin)


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«Gouverneur Cuomo hat ein Gesetz eingeführt, welches Ärzte davor schützt, verklagt zu werden, wenn wir uns dafür entscheiden, jemanden nicht zu beatmen. Glücklicherweise gibt es derzeit keinen Mangel an Ausrüstung, aber dieser Schutz befreit die Ärzte, damit sie Patienten in ihrer Gesamtheit betrachten können, ohne sich Sorgen über rechtliche Komplikationen machen zu müssen.» Keith A. LaScalea, Ausserordentlicher Professor für Klinische Medizin, Weill Cornell Medicine

Mit Claire Finkelstein (Algernon Biddle Professor of Law and Professor of Philosophy, Director Center for Ethics and the Rule of Law, University of Pennsylvania Carey School of Law), Keith A. LaScalea (M.D., F.A.C.P. Associate Professor of Clinical Medicine, Weill Cornell Medicine), Heide Engel (Physical Therapist, Critical care UC San Francisco Medical Center), Stephen N. Xenakis (M.D. Brigadier General (Ret), U.S. Army) sowie den Schauspieler*innen James Lloyd Reynolds und Alicia Aumüller (Schauspielerin)


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«Es wurde auch gesagt: ‹Wir sind das Virus›, weil wir mit unserem Verhalten gegenüber der Umwelt und den Tieren in gewisser Weise die Ursache dafür sind. Deshalb können wir das Virus nur attackieren, indem wir uns irgendwie selbst attackieren.» Roberto Esposito, Professor für Philosophie

Mit Marco Vergano (MD, Chair of the Ethics Section, Italian Society of Anesthesia and Intensive Care (SIAARTI)), Roberto Esposito (PhD, Political Philosopher, Biopolitics. Professor, Scuola Normale Superiore), Barbara Lori, (Regional councilor, Emilia-Romagna, Head of Group of the Economic Policies Commission, DP) und Marco Sabatino (Schauspieler)