Sonntag, 12.00 Uhr am Stauffacher

Die Autorin und Moderatorin Nora Zukker besucht Das Internet an allen vier Standorten und beschreibt fürs Onlinejournal ihre Eindrücke.

12:00 Uhr: Maximilian Reichert, Schauspieler und Performer, klettert auf einen Komposthaufen und steht barfuss zwischen Erde, Melonenschalen, altem Brot und Champagnerkorken. «Was ist der Komplementärkontrast von Champagner? Mittelmeer, genau. Und was ist der Komplementärkonstrast von Lavendel? Honigmelone, genau.» Wie der grosse Mann barfuss, beinahe etwas verloren in der modrigen Erde steht, wirkt. Es scheint, als sinniere Reichert ganz spontan, als denke er laut über eine nachhaltigere Zukunft nach: «Wir sollten uns für die grössere gemeinsame Aufgabe zusammen schliessen.» Es sind Satzfragmente, die er uns hinwirft, die er selber fast wieder zurücknimmt und neue Sätze formuliert: «Ich kenne Deine Unsicherheit! Deine Unsicherheit ist auch meine Unsicherheit!» und «Leben heisst, verrotten lernen! » Dann lächelt er: «Willkommen in der Kompostmoderne! Das ist noch nicht das Ende. »

Es darf jeder seinen Kompost mitbringen und auf den Haufen legen. In zwei Wochen wird vor dem Schiffbau der Kompost der ganzen Stadt stehen. Die lahmen Pommes Frites von gestern liegen zwischen Eierschalen und Bienen, die auf einer Zitrusfrucht sitzen. Und daneben Plastikbecher auf denen steht: «Das Internet - 100% kompostierbar». Nach der Performance darf man sich eine Hand voll Kompost mitnehmen. Wie der Komposthaufen an die verschiedenen Orte transportiert wird, will ich wissen. «Mit dem Fahrrad wäre es konsequent», lacht Reichert und gibt mir vakuumierte Erde mit einer gepresste Blume, deren eingeschweisste Knospe nie aufgehen wird.

Die Sonnenlichtinstallation Das Internet steht am 6. und 7. September in der Europaallee und vom 11. bis 15. September zum Eröffnungsfestival auf dem Schiffbauplatz.