Samstag, 12:30 auf dem Schiffbauplatz

Die Autorin und Moderatorin Nora Zukker besucht Das Internet an allen vier Standorten und beschreibt fürs Onlinejournal ihre Eindrücke.

Das Internet verwandelt sich morgen ins Darknet. Und nicht, weil sich da künstlerisch was verändert, sondern weil am Sonntag Buss- und Bettag ist. Heute knallt die Sonne episch in die Sonnenlichtinstallation. Ich muss zugeben, ich traute mich noch nie so lange in den Raum hinein wie jetzt. Was daran liegt, dass ich drei mal geübt habe und die Sonne gerade, zwischen Nebel, Klang und Farben, zum Fixpunkt wird, der Orientierung bringt. Was mir beim ersten Mal als Verlorenheit vorkam, fühlt sich heute wie befreiende Vollkommenheit an. Das ist so euphorisierend, dass ich kurz denke: Dieser Zustand jetzt mit ein bisschen MDMA – danach könnte ich zufrieden sterben. Nein, das wäre jetzt doch auf verschiedenen Ebenen ungünstig.

Als ich damals Alexander Giesche vor der Kirche am Stauffacher fragte, wie es zu den verschiedenen Orten kam, meinte er: "Jeder Standort deckt einen Aspekte des Internets ab. Hardaupark als Spielplatz, am Stauffacher vor der Kirche für Glaube, Europaplatz für Arbeit und vor dem Schiffbau? Für Sex vielleicht?" lachte er.

Ich trinke den letzten intergalaktischen Slushie in blau (Zuckerrübe & blaue Klitorie), gelb (Limette), grün (Zitrone-Basilikum) und rot (Rhabarber). Von Weitem sieht das Trinkeis künstlich aus, ist aber bio und handgemacht. Ein Food-Waste Projekt, wie mir Björn Neukom erzählt, der die letzten Wochen die Bar geschmissen hat. Und der Komposthaufen wandert übriges ins Schiffbauatrium. Er wird bepflanzt und gepflegt - Neue Spielzeit, neuer Nährboden!